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Lumpazivagabundus
DER BÖSE GEIST LUMPAZIVAGABUNDUS ODER
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| STELLARIS, Feenkönig | Thomas Dalfen |
| FORTUNA, Beherrscherin des Glücks, eine mächtige Fee | Valerie Bolzano |
| BRILLANTINE, ihre Tochter | Claudia Deisenberger |
| AMOROSA, Beschützerin der wahren Liebe | Johanna Miehsler |
| MYSTIFAX, ein alter Zauberer | Michael Miller |
| HILARIS, sein Sohn | Martin Heil |
| FLUDRIBUS, Sohn eines Magiers | Hannes Wege |
| VÄTER | Bernhard Kurzweil Ferdinand Schmolke Bernd Trießnig |
| SOHN | Bernd Trießnig |
| LUMPAZIVAGABUNDUS, ein böser Gesell | Edgar Böhm |
| LEIM, ein Tischlergesell | Robin Trießnig |
| ZWIRN, ein Schneidergesell | Marc Zimmermann |
| KNIERIEM, ein Schustergesell | Maximilian Coreth |
| PANTSCH, Wirt und Herbergsvater in Ulm | Martin Heil |
| FASSEL, Oberknecht in einem Brauhause | Thomas Dalfen |
| NANNETTE, Tochter des Wirten | Claudia Deisenberger |
| SEPHERL, Kellnerin | Vera Berger |
| HANNERL, Kellnerin | Nathalie Berger |
| HAUSIERER | Edgar Böhm |
| TISCHLERGESELL | Bernd Trießnig |
| STRUDL, Gastwirt "Zum Goldenen Nockerl" | Ferdinand Schmolke |
| HOBELMANN, Tischlermeister in Wien | Bernhard Kurzweil |
| PEPPI, seine Tochter | Elke Schneider |
| ANASTASIA HOBELMANN, seine Nichte | Vera Berger |
| FREMDER | Hannes Wege |
| GERTRAUD, Haushälterin im Hause Hobelmann | Valerie Bolzano |
| RESERL, Magt daselbst | Johanna Miehsler |
| HACKAUF, Fleischermeister in Prag | Martin Heil |
| MALER | Edgar Böhm |
| ERSTER BEDIENTER bei Zwirn | Hannes Wege |
| ZWEITER BEDIENTER bei Zwirn | Ferdinand Schmolke |
| ERSTER GESELL bei Zwirn | Michael Miller |
| ZWEITER GESELL bei Zwirn | Bernd Trießnig |
| HERR VON WINDWACHEL | Thomas Dalfen |
| HERR VON LÜFTIG | Martin Heil |
| SIGNORA PALPITI | Branka Tschewinsky |
| CAMILLA, ihre Tochter | Valerie Bolzano |
| LAURA, ihre Tochter | Johanna Miehsler |
| WIRTIN in einer Dorfschenke unweit von Wien | Vera Berger |
Als der " Lumpazivagabundus " am 11. April 1833 seine Uraufführung erlebte, war Nestroy als Schauspieler längst gefeiert, als Dichter bereits anerkannt. Dennoch aber war es ein weiter Weg, debütierte er ja zunächst 1822 sehr erfolgreich als Sänger in der Rolle des "Sarastro". Man sagte ihm gute sängerische Eigenschaften nach (Engagements am K. K. Hoftheater, dem Deutschen Theater in Amsterdam, dem Nationaltheater in Brünn), trotzdem (und es mag wohl das größte Glück für uns sein) gewannen jedoch die Sprechrollen immer mehr Bedeutung. Sind aus dem Rollentagebuch des Jahres 1824 zweiundfünfzig Gesangs- und nur neun Sprechrollen zu entnehmen, so findet sich 1830 die Konversion zu fünf Gesangs- und 202 (!) Sprechrollen. Letztere Zahlen weisen auf das Gedächtnisgenie Nestroy hin, das es wie kaum ein anderes schaffte, Rollen in kürzesten Phasen zu lernen und über lange Zeit hinweg zu behalten.
Nestroy war (1831) gerade 30 Jahre alt, als er am Theater an der Wien von Direktor Carl Carl unter Vertrag genommen wurde. Auf dieser Bühne nun und dem von Carl 1839 übernommenen Theater in der Leopoldstadt (dessen Direktor er selbst 1854 werden sollte) fanden alle Stücke Nestroys ihre Uraufführung, bis hin zu "Häuptling Abendwind", seinem letzten Stück.
Das Publikum des Biedermeier liebte das Volkschauspiel. Theater gab es viele, gespielt wurde, wo immer es möglich war. Die Zuschauer blieben aber trotzdem kritisch, und gar manches Stück Nestroys fand nur wenig Anklang, obgleich seiner sonst großen Beliebtheit. Und vor allem Nestroy war es auch, der die Abkehr vom einstmals so gern gemochten Zauberspiel zum Volksstück setzte mit seinen Possen "Eulenspiegel oder Schabernack über Schabernack" und "Zu ebener Erde und erster Stock oder Die Launen des Glückes", die als echte Volkskomödien gefeiert wurden.
Im "Lumpazivagabundus" findet sich noch das Feenreich, noch obliegt der Mensch den Stimmungen der Götter, wird unwillkürlich einer Wette unterworfen. Doch bildet sie nur den Rahmen, die Motivation zur eigentlichen Handlung. Man darf aber auch diese nicht als realistisch sehen, die Figuren sind krass charakterisiert, erscheinen als Allegorien des Guten oder Bösen, des Kapitalismus oder der Trunksucht, die aus einem sozialen Missverhältnis resultiert. Es war aber nicht gewöhnlich, dass wir plötzlich Handwerksburschen als Hauptakteure vorfanden, dass Dienstboten ihre schlechten Arbeitsbedingungen offen kundtun. So hatte Nestroy oft genug Schwierigkeiten mit der Zensur, aber auch da zeichnete er sich durch äußerst geschickte Spitzfindigkeiten aus, sie zu umgehen. Die Geschichte der drei Handwerksburschen, die mit dem Lotteriegewinn und ihren unabänderlichen Eigenschaften in der Welt bestehen sollen, ist Nestroys berühmtestes Stück, obwohl ihm bei der Premiere keine gute Aufnahme beschieden war. Eines der vielen Beispiele, wie Nestroy es verstand, seine Stücke im Spielen noch zu entwickeln, ihnen auf der Bühne erst seine Brisanz zu geben. Stetes und ständiges Extemporieren, das vom Publikum mit Begeisterungsstürmen aufgenommen und dessen er nicht müde wurde, brachte ihm Erfolg um Erfolg. Bereits am 21. April 1835 wurde es zum hundertsten mal wiederholt, am 18. Februar 1881 gar zum eintausendsten mal. So verfasste Nestroy noch einen zweiten Teil "Die Familien Zwirn, Knieriem und Leim oder Der Weltuntergangstag", der zwar auch gute Kritiken erhielt, an seinen Vorgänger jedoch nicht heranreichen konnte.
Heinrich Karwendel nannte Nestroy "unseren Nationaldichter. Nicht allein wegen seiner Gesamtheit, ... sondern auch der Kleinigkeiten wegen, durch die er unser aller Herzen mit ach so einfacher Sprache zu erfreuen vermag."
Was ist dazu noch zu sagen ...
Robin Trießnig im Programmheft zu "Lumpazivagabundus"
