Lumpazivagabundus

DER BÖSE GEIST LUMPAZIVAGABUNDUS ODER
DAS LIEDERLICHE KLEEBLATT

Johann Nestroy

1990

Theatergruppe Die Scherben

Produktion

Robin Trießnig

Marc Zimmermann

 

Regie

Robin Trießnig

 

Regieassistenz

Marc Zimmermann

 

Bühnenbild

Barbara Schlachter

Valerie Bolzano

Johanna Miehsler

 

Kostüme

Tina Idinger

 

Musik

Isabella Loimer - Trießnig

 

 

STELLARIS, Feenkönig
Thomas Dalfen
FORTUNA, Beherrscherin des Glücks, eine mächtige Fee
Valerie Bolzano
BRILLANTINE, ihre Tochter
Claudia Deisenberger
AMOROSA, Beschützerin der wahren Liebe
Johanna Miehsler
MYSTIFAX, ein alter Zauberer
Michael Miller
HILARIS, sein Sohn
Martin Heil
FLUDRIBUS, Sohn eines Magiers
Hannes Wege
VÄTER
Bernhard Kurzweil
Ferdinand Schmolke
Bernd Trießnig
SOHN
Bernd Trießnig
LUMPAZIVAGABUNDUS, ein böser Gesell
Edgar Böhm
LEIM, ein Tischlergesell
Robin Trießnig
ZWIRN, ein Schneidergesell
Marc Zimmermann
KNIERIEM, ein Schustergesell
Maximilian Coreth
PANTSCH, Wirt und Herbergsvater in Ulm
Martin Heil
FASSEL, Oberknecht in einem Brauhause
Thomas Dalfen
NANNETTE, Tochter des Wirten
Claudia Deisenberger
SEPHERL, Kellnerin
Vera Berger
HANNERL, Kellnerin
Nathalie Berger
HAUSIERER
Edgar Böhm
TISCHLERGESELL
Bernd Trießnig
STRUDL, Gastwirt "Zum Goldenen Nockerl"
Ferdinand Schmolke
HOBELMANN, Tischlermeister in Wien
Bernhard Kurzweil
PEPPI, seine Tochter

Elke Schneider
(Eva Kurzweil)

ANASTASIA HOBELMANN, seine Nichte
Vera Berger
FREMDER
Hannes Wege
GERTRAUD, Haushälterin im Hause Hobelmann
Valerie Bolzano
RESERL, Magt daselbst
Johanna Miehsler
HACKAUF, Fleischermeister in Prag
Martin Heil
MALER
Edgar Böhm
ERSTER BEDIENTER bei Zwirn
Hannes Wege
ZWEITER BEDIENTER bei Zwirn
Ferdinand Schmolke
ERSTER GESELL bei Zwirn
Michael Miller
ZWEITER GESELL bei Zwirn
Bernd Trießnig
HERR VON WINDWACHEL
Thomas Dalfen
HERR VON LÜFTIG
Martin Heil
SIGNORA PALPITI
Branka Tschewinsky
CAMILLA, ihre Tochter
Valerie Bolzano
LAURA, ihre Tochter
Johanna Miehsler
WIRTIN in einer Dorfschenke unweit von Wien
Vera Berger

 

 

Johann Nestroy

Als der " Lumpazivagabundus " am 11. April 1833 seine Uraufführung erlebte, war Nestroy als Schauspieler längst gefeiert, als Dichter bereits anerkannt. Dennoch aber war es ein weiter Weg, debütierte er ja zunächst 1822 sehr erfolgreich als Sänger in der Rolle des "Sarastro". Man sagte ihm gute sängerische Eigenschaften nach (Engagements am K. K. Hoftheater, dem Deutschen Theater in Amsterdam, dem Nationaltheater in Brünn), trotzdem (und es mag wohl das größte Glück für uns sein) gewannen jedoch die Sprechrollen immer mehr Bedeutung. Sind aus dem Rollentagebuch des Jahres 1824 zweiundfünfzig Gesangs- und nur neun Sprechrollen zu entnehmen, so findet sich 1830 die Konversion zu fünf Gesangs- und 202 (!) Sprechrollen. Letztere Zahlen weisen auf das Gedächtnisgenie Nestroy hin, das es wie kaum ein anderes schaffte, Rollen in kürzesten Phasen zu lernen und über lange Zeit hinweg zu behalten.

Nestroy war (1831) gerade 30 Jahre alt, als er am Theater an der Wien von Direktor Carl Carl unter Vertrag genommen wurde. Auf dieser Bühne nun und dem von Carl 1839 übernommenen Theater in der Leopoldstadt (dessen Direktor er selbst 1854 werden sollte) fanden alle Stücke Nestroys ihre Uraufführung, bis hin zu "Häuptling Abendwind", seinem letzten Stück.

Das Publikum des Biedermeier liebte das Volkschauspiel. Theater gab es viele, gespielt wurde, wo immer es möglich war. Die Zuschauer blieben aber trotzdem kritisch, und gar manches Stück Nestroys fand nur wenig Anklang, obgleich seiner sonst großen Beliebtheit. Und vor allem Nestroy war es auch, der die Abkehr vom einstmals so gern gemochten Zauberspiel zum Volksstück setzte mit seinen Possen "Eulenspiegel oder Schabernack über Schabernack" und "Zu ebener Erde und erster Stock oder Die Launen des Glückes", die als echte Volkskomödien gefeiert wurden.

Im "Lumpazivagabundus" findet sich noch das Feenreich, noch obliegt der Mensch den Stimmungen der Götter, wird unwillkürlich einer Wette unterworfen. Doch bildet sie nur den Rahmen, die Motivation zur eigentlichen Handlung. Man darf aber auch diese nicht als realistisch sehen, die Figuren sind krass charakterisiert, erscheinen als Allegorien des Guten oder Bösen, des Kapitalismus oder der Trunksucht, die aus einem sozialen Missverhältnis resultiert. Es war aber nicht gewöhnlich, dass wir plötzlich Handwerksburschen als Hauptakteure vorfanden, dass Dienstboten ihre schlechten Arbeitsbedingungen offen kundtun. So hatte Nestroy oft genug Schwierigkeiten mit der Zensur, aber auch da zeichnete er sich durch äußerst geschickte Spitzfindigkeiten aus, sie zu umgehen. Die Geschichte der drei Handwerksburschen, die mit dem Lotteriegewinn und ihren unabänderlichen Eigenschaften in der Welt bestehen sollen, ist Nestroys berühmtestes Stück, obwohl ihm bei der Premiere keine gute Aufnahme beschieden war. Eines der vielen Beispiele, wie Nestroy es verstand, seine Stücke im Spielen noch zu entwickeln, ihnen auf der Bühne erst seine Brisanz zu geben. Stetes und ständiges Extemporieren, das vom Publikum mit Begeisterungsstürmen aufgenommen und dessen er nicht müde wurde, brachte ihm Erfolg um Erfolg. Bereits am 21. April 1835 wurde es zum hundertsten mal wiederholt, am 18. Februar 1881 gar zum eintausendsten mal. So verfasste Nestroy noch einen zweiten Teil "Die Familien Zwirn, Knieriem und Leim oder Der Weltuntergangstag", der zwar auch gute Kritiken erhielt, an seinen Vorgänger jedoch nicht heranreichen konnte.

Heinrich Karwendel nannte Nestroy "unseren Nationaldichter. Nicht allein wegen seiner Gesamtheit, ... sondern auch der Kleinigkeiten wegen, durch die er unser aller Herzen mit ach so einfacher Sprache zu erfreuen vermag."

Was ist dazu noch zu sagen ...

Robin Trießnig im Programmheft zu "Lumpazivagabundus"

 

 

© TriLenz - Theater Salzburg 2001-2009
Alle Rechte vorbehalten!